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Final Fantasy XV

By Tony, 9. Dezember 2016

Das war’s also. Zehn Jahre gewartet – ich habe wirklich zehn Jahre gewartet – und nach nicht einmal zwei Wochen ist Final Fantasy XV Geschichte. Ich will kein Review schreiben dazu, nur ein paar Eindrücke loswerden. Ich empfehle, dass ihr das Spiel bereits durchgespielt habt. Ich werde keine Story spoilern, aber Charaktere benennen und auch sagen, was ich von ihnen halte.

Insgesamt hat mir Final Fantasy XV sehr, sehr viel Spaß gemacht. Spielerisch macht es eigentlich wenig falsch. Das Kampfsystem ist klasse, es ist einfach, es ist dynamisch, es macht einfach sehr viel Spaß. Es gibt für meinen Geschmack fast zu wenig “Zufallskämpfe”, um es ausreichend auszukosten. So cool es ist, vier Waffen auszurüsten, so schade finde ich es, dass es dabei leider auch bleibt. Außer Accessoires kann man den Charakteren nichts anlegen. Hut, Rüstung, Schuhe, … Fehlanzeige. Das fehlt mir ein bisschen und letztlich hat es auch dazu geführt, das ich selbst nach dem Durchspielen nicht weiß, was die ganzen Charakterwerte bedeuten und wie sie sich auswirken. Ich weiß es nicht, ganz ehrlich. Ich habe allenfalls auf Lebenspunkte und Angriffskraft geachtet. Fragt mich, was die ganzen anderen Symbole ganz unten im Ausrüstungsbildschirm bedeuten – ich kann es euch nicht sagen. Das fällt mir ehrlich gesagt auch erst jetzt beim Schreiben dieses Textes auf.

Also – Gameplay: super. Machen wir direkt mit “super” weiter. Der Soundtrack! Wirklich grandios, ganz ausgezeichnete Arbeit. Der Soundtrack ist für mich einer der besten der Seriengeschichte. Aber auch hier gibt’s einen kleinen Haken. Leider, leider, leider fehlen dem grandiosen Soundtrack die Szenen und Sequenzen, um mit den Tönen auch Bilder in Erinnerung zu behalten. Und da sind wir auch schon bei der Enttäuschung des Spiels, wenn man es so nennen kann.

An ein Final Fantasy knüpfe ich natürlich besondere Erwartungen, was die Geschichte angeht, da bin ich ganz ehrlich. Die Story von Final Fantasy XV ist okay, aber halt echt auch nur okay. Ardyn ist als Antagonist ganz gelungen, finde ich. Im Übrigen ist seine deutsche Synchronstimme richtig gut. Ich hätte gerne noch mehr über seine Beweggründe gewusst – wie bei sovielen Charakteren. Areanas Kehrtwende ist ausreichend erklärt, aber sie hätte Potential für mehr gehabt. Erst dachte ich, sie wird wichtig – am Ende ist sie nur eine kleine Randnotiz. Auch Raven hätte mehr verdient. Seine Beweggründe kann man sogar verpassen, wenn man in einer Situation nicht gründlich den Boden nach Briefen absucht – fatal! Nicht umsonst will Square Enix die Raven-Story wohl nach nachpatchen. Was natürlich auch gar nicht in Ordnung ist, wenn wir ehrlich sind.

Ich hätte auch gerne viel mehr über Gladio, Prompto und Ignis erfahren. Die Gruppe wird durch das Abenteuer schon zusammengeschweißt, aber mir fehlen solche ernsthaften Dialoge wie jener zwischen Prompto und Noctis, als Prompto ihm seine Geschichte ansatzweise anvertraut. Gestern blättere ich so durch das Lösungsbuch, da sehe ich, dass Prompto ein – sorry – dickes Kind war. Wahrscheinlich hält Brotherhood mehr dazu bereit, aber ich hätte das alles schon ganz gerne auch im Spiel verbaut gehabt. Schwer wäre das nicht gewesen. Die Charaktere übernachten wirklich ständig, es ist kein Ding, da noch mehr Dialoge reinzuskripten.

Das hätte auch den ausgedehnten Open-World-Stunden ein bisschen mehr Hintergrund gegeben. So viel Spaß es macht, die vielen Nebenquests und Mobhunts zu erledigen, so sehr rückte währenddessen auch die Story in den Hintergrund. Das geht auch kaum anders, hätte ich fast gesagt, aber dann ist mir Witcher 3 eingefallen. In Witcher 3 ist der große rote Faden immer da, irgendwie. In Witcher 3 fühlt sich alles, was man nebenher macht, so an, als würde es eben im Rahmen des Abenteuers einfach passieren. Als würde man ein Buch spielen (ja ich weiß, es gibt eine Romanvorlage). Abgesehen von den sinnlosen Fragezeichen auf der Map fühlen sich die Nebenquests so an, als stolpert Geralt halt drüber. In Final Fantasy XV sind alle Nebenquests wirklich richtig nebensächlich und es fühlt sich so an, als würde ich das Spiel pausieren, um sie zu erledigen. Ich kann es nur schwer erklären, aber ich denke, ihr wisst, was ich meine. Dabei sind die Nebenquests und Mobhunts in Final Fantasy XV ganz ok gestaltet, es hätte wirklich schlimmer kommen können. Klar gibt es viele Gemüse-Sammelaktionen. Und gerne hätte ich die Questreihen von Vyv und Co. auch mit etwas mehr Story hinterlegt gehabt, aber das passt schon. Es hat jedenfalls Spaß gemacht – und macht es aktuell in fünf Stunden Postgame auch immer noch.

Die Erkundungen in Duscae und Co. haben mir Spaß gemacht, aber letztlich bin ich mir nicht sicher, ob es das richtige für Final Fantasy ist. Final Fantasy war für mich immer durch die Story getrieben. An jeder Ecke passierte was. Man reiste durch die Welt, manchmal halt auch durch Schläuche, aber immer geschah irgendwas mit den Charaktere, immer tauchte jemand auf, immer ging die Geschichte irgendwie weiter. Mir fehlt das ehrlich gesagt ein bisschen in Final Fantasy XV. Man spürt auch, dass das Spiel irgendwie viel auslässt. Vielleicht wäre so ein 50/50-Ding das richtige für Final Fantasy, so wie es einst Final Fantasy XII schon fast gemacht hat. Größere Gebiete zum Erkunden, aber eben doch aneinander gereiht. Naja, ist letztlich Geschmackssache. Nur so ein Gedanke.

Letztlich fesselt mich Final Fantasy XV auch nach dem Durchspielen noch. Und meistens ist es so, dass ich die Spiele dann ziemlich schnell ad acta legen kann. Ist mir sogar bei Bloodborne gelungen. Also einiges muss Final Fantasy XV auch richtig machen. Es hat Spaß gemacht! Noch eine Notiz zu den Bugs: Ich hatte kaum welche. Twitter wird ja quasi geflutet davon, mir unterliefen genau zwei. Ich habe das rote Wasser gesehen und einmal betrat ich einen Dungeon und der Bildschirm wurde grell. Ich geh raus und geh rein – wieder grell. Ich dachte erst, das gehört dazu (es ging um Ramuh), aber dem war nicht so. Nach dem Neuladen des Spielstands war der Dungeon düster wie alle anderen. Ansonsten lief Final Fantasy XV, das ist für so ein Open-World-Spiel eigentlich wirklich respektabel – sehr gut. Keine Clipping-Fehler, keine weiteren Bugs, auch sonst stabil.

Ich habe übrigens 40 Stunden gebraucht, bin inzwischen bei etwa 45 Stunden.