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Life is Strange

By Tony, 16. Februar 2016

Hinweis: Nur lesen, wenn selbst DURCHGESPIELT!

Dieser Text betrachtet vor allem Episode 5 und das Overall-Spielerlebnis. Die ersten drei Episoden hatte ich auch einzeln vorgestellt. Dafür einfach die entsprechenden Artikel vorher anklicken.

Nun los!

Nun hab ich Life is Strange also endlich durchgespielt! Das hat ganz schön lange gedauert, was keineswegs daran lag, dass ich die Episoden nicht spannend fand. Letztlich fand Life is Strange in Episode 5 ein würdiges Ende, wie ich finde. Ob nun alle Fragen geklärt sind oder nicht. Ich bin da auch nicht der Typ, der es da ganz genau wissen will. Das schöne an Serien ist ja auch, dass man seine Frage aus der zweiten Episode in der fünften Episode vielleicht schon wieder vergessen hat. Die Fragen, die ich nicht vergessen habe, hat mir Dontnod jedenfalls beantwortet. Außer vielleicht, wie Max zu ihren Kräften kam – aber darauf habe ich nicht wirklich eine Antwort erwartet. Es gibt vermutlich auch keine.

Life is Strange war wirklich eine tolle Erfahrung, mit vielen Gänsehautmomenten, dem ein oder anderen feuchten Auge, einem tollen und unglaublich stimmigen Soundtrack, angemessen schöner Optik und schönen Rätseln. Ja, das mit den Lippen war totaler Mist. Ja, hier und da ist irgendwas nicht logisch. Ja, die High-School-Charaktere waren total klischeebehaftet. Hat mich aber nie atmosphärisch gestört und wie immer gilt für mich sowie das Overall-Erlebnis. Und das hat am Ende total gestimmt. Ich habe schon früh gespürt, dass meine Entscheidungen wirklich Einfluss auf die Geschichte hatten. Natürlich nicht auf den großen roten Faden, das ist ja kaum realisierbar, aber auch in Episode 5 hat sich wieder die ein oder andere frühere Entscheidung ausgewirkt.

Jetzt wollt ihr natürlich wissen, wie meine letzte Entscheidung ausgesehen hat. Die Entscheidung für Arcadia Bay war einfach, die Entscheidung gegen Chloe konnte ich natürlich nur schweren Herzens treffen. Trotzdem war es wohl die einzige Entscheidung im Spiel, von der ich wusste, dass sie richtig ist. Ich habe soviele Entscheidungen im Spiel getroffen. Aber obwohl ich fast immer zurückspülen konnte, war ich mir nie sicher, ob es die richtige Entscheidung war. Wie im echten Leben eben. Da entscheidet man mal nach Verstand, mal nach Herz. Aber ob’s richtig war, erfährt man auch oft erst viel später.

Meine letzte Entscheidung hieß also Arcadia Bay. Chloe opfern war nicht leicht, aber das Spiel hat mich ja fast zu dieser Entscheidung geschubst. Episode 5 wurde irgendwann so wirr, dass ich mich selbst gefragt habe, wann dieser ganze Mist eigentlich angefangen hat und wie es soweit kommen konnte. Ich hab es total vermasselt. Als ich mehrfach durch den Gang des Wohnheims ging, hatte ich dauerhaft Gänsehaut. Ja, da war ich richtig im Spiel. Diese ganze Zeitmanipulation war doch nicht richtig. Und viel zu oft. Klar, ich wollte helfen. Aber ich hab ständig Leute im Stich gelassen, wenn auch nur in parallelen Zeitlinien. Am liebsten wollte ich Arcadia Bay wieder auf Null setzen und den Dingen einfach ihren Lauf lassen. Ein paar Dinge hätte ich vielleicht anders gemacht als zuvor, mit dem Wissen, das ich nun hatte. Aber irgendwie hatte ich genug. Das war mir alles zu abgedreht und zu gefährlich geworden. Arcadia Bay auf Null setzen. Die letzte Entscheidung bot mit genau diese Gelegenheit.

Chloe opfern – kann ich das? Eigentlich kann ich das nicht. Aber wie soll es denn weitergehen? Soll ich sie mein ganzes Leben lang retten? Wie viele andere Menschen sollen dabei zu Schaden kommen? Wie viele Städte nach Arcadia Bay noch? Ich weiß nicht, ob es Tony auch so leicht gehabt hätte, aber es war recht einfach, diese Entscheidung als oder für Max zu treffen. Der folgende Abspann war traurig, aber fühlte sich richtig an. Ich habe mir dann natürlich auch noch das andere Ending angeguckt und fühlte mich bestätigt.

Life is Strange würde ich jedenfalls total weiterempfehlen. Ich selbst habe auch nicht bereut, schon mit Veröffentlichung der ersten Episode angefangen zu haben. Ich war Episodenspielen gegenüber vorher sehr kritisch gestimmt, aber ich hatte vorher auch kein einziges ausprobiert. Mit Life is Strange hat das aber total gepasst. Fand es toll, nach den ersten drei Episoden mit anderen darüber zu reden. Danach kam ja mein kleiner Delay. Und ich hab’s auch nicht bereut, erst auf die Retailfassung zu warten. Ganz im Gegenteil, die war mir dann am Ende die 29,99 Euro erst recht wert…