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Splatoon: Eindruck nach 25 Stunden

By Tony, 3. Juni 2015

Samstag, der 30. Mai 2015. Nach einer kleinen Grillfeier bei einem guten Freund und der anschließenden vernichtenden Pokalniederlage des BVB sitze ich etwa 23 Uhr im Gasthof meines Vertrauens. Langsam aber sicher reden wir nicht mehr vom Fußball, widmen uns anderen Themen. Er habe nun eine PlayStation 4, erzählt mein Kumpel. Was ich so zocken würde, fragt er. “Splatoon”, antworte ich. “Kennste?”. Nein, kennt er nicht. Ich zeige ihm eines der Videos, die ich gestern aufgenommen habe. “Was ist das denn für ein Kinderspiel…”, sagt er nach wenigen Sekunden. Schade. Einen anderen Kumpel fragt er im Anschluss, ob er auch “Premium” sei in Battlefield. Da kann ich nicht mitreden.

Seit ich die Global Testfire Demo zu Splatoon gespielt habe, hat mich das Spiel völlig in seinen Bann gezogen. Vorher war es – da bin ich ganz ehrlich – nur ein Spiel von vielen kommenden. Noch dazu eins, das den Schwerpunkt auf den Onlinemodus setzt. Das ist eigentlich nicht so mein Ding. Mein letztes Onlinespiel war… war… Moment mal… mir fällt keins ein. Ganz ehrlich. Heute ist der 3. Juni und ich habe den Einzelspielermodus von Splatoon noch nicht ein einziges Mal angerührt. Meine bisherigen über 25 Stunden hab ich in Onlinekämpfen verbracht. 25 Stunden – in fünf Tagen! Mich quält regelrecht der Gedanke daran, mich im Einzelspielermodus zu verdingen, während meine Freunde online gegeneinander spielen. Ich hätte keine Ruhe.

Bei allen Dingen die Splatoon noch falsch macht und die es besser machen kann (und wird) – es begeistert mich einfach. Nur fünf Maps gibt es zum Release. Da kann man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Wer zum Teufel hat sich das ausgedacht? Aber es stört mich nicht. Wenn meine Lieblingsmap “Bohrinsel Nautilus” zum fünften Mal am Stück reinrotiert, freue ich mich sogar. Und wenn fünf Mal eine andere Map am Stück reinrotiert, stört es mich auch nicht. Die Partien sind dermaßen kurzweilig, dass ich kaum Zeit habe, darüber nachzudenken.

Hätte Nintendo zum Start viel mehr Maps zur Verfügung stellen müssen? Ja, klar! Störte es mich, dass es nur fünf waren? Nein!

Splatoon ist so erfrischend, so unverbracht. So neu, so begeisternd. Die Jagd nach bespritzten Quadratmetern statt nach Kills ist für mich die Idee des Jahres. Splatoon war schon jetzt jeden einzelnen Cent der eigentlich lächerlichen UVP von 39,99 Euro wert. Und das wahnsinnig tolle ist: Es wird wahrscheinlich (kostenlos) alles noch viel besser werden. Denn so wie Splatoon jetzt ist, ist es nicht komplett. Es fehlen neben Maps auch noch ganze Spielmodi. Und es kann an vielen Ecken und Kanten noch optimiert werden.

Damit fing Nintendo schon fünf Tage nach dem Release an. Da gab es eine neue Waffe, eine neue Map und einen neuen Modus. Nicht, dass es drohte, langweilig zu werden. Aber allein der neue Modus “Rangkämpfe” wird mich wohl wieder stundenlang beschäftigen. Die ersten Partien waren sehr spaßig und anders als die offenen Kämpfe auch von ein wenig Taktik geprägt. Und vor allem von Teamwork. Hier merkt man, wenn sich ein Spieler zurückhält, um selbst besser dazustehen.

Nun zum umstrittenen Voice-Chat. Es stimmt: Man braucht nach jetzigem Stand keinen Voice-Chat. In den derzeitigen Spielmodi wird ohnehin in jeder Runde das Team durcheinandergewürfelt. Aber es werden Modi kommen, in denen das nicht der Fall ist. Die Rangkämpfe geben schon mal einen kleinen Einblick. Und dann wird ein Voice-Chat schon sinnvoll. Und er wäre es auch jetzt schon. Denn auch wenn man ihn nicht braucht, so treffen wir uns ja trotzdem in Skype. Nintendo sollte mittelfristig einen Voice-Chat implementieren. Ich weiß allerdings nicht wie wahrscheinlich das ist oder ob es komfortabler sein kann als Skype… und soweit ich weiß, haben andere, weitaus taktischere Onlineshooter auch keinen implementierten Voice-Chat…

Sicherlich wäre es auch cool, wenn man beim Onlinespiel mit Fremden die Region auswählen könnte. Gerade, wenn man in Spielen mit vielen Japanern landet, laggt es doch ein wenig. Wenn man aber abends den Spielen mit Freunden joint – und davon spielen eine Menge – läuft für mich alles ziemlich gut. Und smooth dank 60fps sowieso.

Wo kaum Handlungsbedarf besteht: beim Balancing. Ich finde Splatoon schon jetzt wahnsinnig gut ausbalanciert. Trotz der unzähligen Waffen, die sich wirklich sehr, sehr unterschiedlich spielen. Dabei ist keine Waffe übermächtig. Auch (und ganz besonders) nicht der Klecksroller. In den gut drei Minuten einer Runde heben sich alle Waffen gegenseitig auf. Und trotzdem gewinnt am Ende das bessere Team. Aber keineswegs aus Zufall. Das ist alles sehr stimmig für mich.

Die amiibo-Funktionen sind zum Glück nebensächlich. Ich hatte wirklich die Befürchtung, dass amiibo-Käufer sind im Onlinemodus kleine Vorteile verschaffen können. Aber das Geld für die beliebtesten Waffen und Kleider hat man so schnell verdient, dass es kaum der Rede wert ist. Ich habe keine amiibo-Figuren noch nicht mal ausgepackt. Das ist genauso eine Geschichte wie mit dem Einzelspielermodus. Sobald ich Zeit für Splatoon habe, muss ich einfach in die Onlinekämpfe.

Splatoon hat mich in eine derartige Euphorie versetzt, wie es schon sehr lange kein Videospiel mehr geschafft hat. Ich habe in den letzten drei Jahren das ein oder andere wirklich ausgezeichnete Videospiel gespielt. Aber keines hat mich mit so einfachen Mitteln so dermaßen begeistert. Ich bin voller Vorfreude auf alles, was noch kommt. I’M A KID NOW, I’M A SQUID NOW!