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Toren

By Tony, 15. Mai 2015

Der nachfolgende Text war mein Review zu Toren für jpgames.de:

Mit Toren veröffentlichte das unabhängige brasilianische Entwicklerstudio Swordtales kürzlich sein Debütspiel. Auf das Ergebnis und vor allem auf die Zusammenarbeit mit Sony ist das kleine Team sichtlich stolz. Toren erscheint für PCs, aber wie so vielen Indie-Spielen, die im Vorlauf bei den bekannten Indie-Festivals Auszeichnungen erhalten, so wurde auch Toren die Aufmerksamkeit von Sony zuteil.

Und so kann Swordtales nun “in einer Reihe mit fantastischen Indie-Entwicklern wie Klei Entertainment, Double Fine und vielen mehr” stehen, wie man voller Stolz erklärt. Toren erscheint nämlich auch für PlayStation 4 und genau diese Version haben wir für unser Review getestet.

Ihr schlüpft in die Rolle von Moonchild, einem kleinen Mädchen, und begleitet es fortan auf ihrer Suche nach ihrer Bestimmung, nach Antworten und vor allem einem Ausweg aus Toren. Toren ist der Turm, der Moonchild gefangen hält. Der einzige Weg führt nach oben, zu dessen Spitze – in Richtung Himmel. Um nach oben zu gelangen, gilt es, diverse Puzzles zu lösen und kryptischen Hinweisen zu folgen.

Dabei stellen sich euch auch Monster in den Weg, denen ihr aber größtenteils ausweichen könnt und auch solltet – denn eine ganze Zeit lang seid ihr wehrlos. Nur einem Monster kann man nicht ausweichen: dem großen Drachen. Er bewacht den Turm Toren und will Moonchild offensichtlich daran hindern, dieser Welt zu entkommen. Er ist das große Böse, der Teufel. Toren ist eine einzige Suche nach Freiheit, Entkommen.

Zur Seite steht euch dabei ein mysteriöser, alter Zauberer – ein bereits verstorbener Zauberer wohl gemerkt. Er kommuniziert in seltsamen Visionen mit uns, gibt uns kryptische Hilfestellungen und erzählt von einem alten Volk und vielen Symbolen. Er ist einer der Erbauer des Turms, der uns gefangen hält – und gibt uns gleichzeitig Hilfe, ihn zu verlassen. Ein Symbol?

In der Mitte des Turmes wächst ein Baum – der Baum des Lebens wohl. Auch die Sonne spielt eine große Rolle. Sie entsendet einen mysteriösen Krieger, der uns in der wichtigsten Phase des Spiels zur Seite steht und ohne den wir das Spiel nicht beenden können. Sie wird damit zum Geburtshelfer unserer Freiheit, doch bis dahin ist es ein beschwerlicher Weg durch viele Prüfungen.

Diese Prüfungen sind unsere Träume. Wir besuchen Träume wie Emotion, Schönheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und den Abgrund. Dort warten kleine Rätsel, Sprungpassagen und Puzzles. Viele Texte im Spiel scheinen beiläufig, aber beherbergen wichtige, wenn auch ein wenig schwer verständliche, Tipps. Ganz gut zu verstehen ist der Hinweis: “Einen einzigen Augenblick lang offenbart der Himmel einen Funken Wahrheit.” In diesem Traum wird euch also der Blick zum Himmel wichtige Erkenntnisse liefern.

Und so klettern wir Schritt für Schritt den Turm nach oben. Die Stille des Spiels vermittelt eine gewisse Demut, eine Einsamkeit. Toren schafft mit begrenzten Mitteln und auf engem Raum eine beeindruckende Atmosphäre. Das Artdesign ist ebenfalls beeindruckend. Die brasilianischen Entwickler geben offen zu, dass man sich Inspiration von ICO holte. Die Steuerung ist mitunter ein wenig hakelig. Aber dass sich Swordtales’ erster Charakter Moonchild nicht so geschmeidig steuert wie Bayonetta, ist wohl auch nur allzu verständlich.

Mit nicht mehr als drei Stunden ist Toren selbst für einen Indie-Titel recht schnell durchgespielt. Aber Toren kann Eindruck bei mir hinterlassen. Toren ist ein kleines Kunstwerk, wenn auch ein rätselhaftes. Man sollte eventuell ein gewisses Faible für Indies, Artstyle und “etwas anderes” haben. Auch eine gewisse Begeisterungsfähigkeit und Interpretationslust am Mystischen ist im Falle von Toren sicher nicht verkehrt.

Nachfolgend seht ihr noch unseren Mitschnitt der ersten etwa 40 Minuten: