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Life is Strange: E3 – Chaos Theory

By Tony, 22. Mai 2015

Okay, es is wirklich schwer, über Life is Strange zu reden, ohne über Life is Strange zu reden. Ich habe es trotzdem geschafft, ein spoilerfreies Review zu Episode 3 zu verfassen. Das folgt nun.

Wenn ihr Life is Strange immer noch nicht gespielt habt, dann fangt an. Mit Episode 1 natürlich.

Das war’s eigentlich! Spaß beiseite. Natürlich mag ich auch noch ein wenig mehr über Episode 3: Chaos Theory plaudern. Ich müsste entweder alle Details auslassen, die Life is Strange ausmachen – das wäre dann ein trockenes Review mit haufenweise “aber das wäre ein Spoiler”. Aber da das hier ja nur mein Blog ist, schreibe ich einfach über das, worüber ich schreiben will.

Daher ab jetzt dicke Spoiler!

Lest nur weiter, wenn ihr Episode 3 schon abgeschlossen habt. Am besten habt ihr auch The Last of Us durchgespielt.

Wo waren wir also stehen geblieben am Ende von Episode 2? Max hat Kate vor dem Suizid gerettet – oder auch nicht. Ich hatte es jedenfalls glücklicherweise geschafft. Es war ein mitreißendes Ende der zweiten Episode. Was würde das für Auswirkungen auf Episode 3 haben? Eigentlich gar keine so großen. Mir fehlt natürlich der Vergleich, aber im Prinzip waren die Handlungen, die sich direkt auf Kate beziehen, sehr selten. Es waren eher beiläufige Gespräche, die austauschbar waren. Aber das fällt mir auch erst jetzt ein, wo ich darüber nachdenke.

In Episode 3 waren wir auf der Suche nach Antworten. Was trieb Kate auf das Dach? Und was ist mit Rachel? Was ist mit Frank? Eine ganze Zeit lang passiert nicht viel in Episode 3. Ich habe es dennoch genossen. Ich habe viel Zeit mit Chloe verbracht und sie viel besser kennengelernt. Wir sind mit ihr ins Zimmer des Schulleiters eingebrochen, waren mit ihr nachts im Schwimmbad und lagen mit ihr auf dem Bett. Ab und an saßen wir auch einfach auf einer Schaukel und haben die Umgebung beobachtet.

Es gab nicht viele Entscheidungen, die mir besonders wichtig erschienen. Das Geld aus dem Zimmer des Schulleiters habe ich nicht gestohlen. Ich weiß auch nicht, ob das nun – nachdem ich das Ende von Episode 3 kenne – überhaupt noch ansatzweise relevant ist. Als wir uns mit David in Chloes Haus stritten, habe ich mich hinter Chloe gestellt. Inzwischen glaube ich, dass auch das egal wäre. Genau das ist wohl auch das Gefühl, dass die Entwickler erzeugen wollen. Es ist jetzt alles egal. Denn was wir am Ende von Episode 3 sehen, ändert alles.

Ich kann mich in den letzten zwei, drei Jahren nur an einen Moment erinnern, der mich ähnlich schockiert hat oder ähnlich unerwartet kam. Als Henry sich in der Dynamik der Szenen in The Last of Us selbst gerichtet hat. Natürlich war mir relativ schnell klar, dass sich irgendwas verändert haben musste. Es hatte sich soviel verändert.

Und als Max sich fragte, was sich noch verändert haben könnte und ihr dann Chloe in den Sinn kam — natürlich musste etwas passiert sein. Ihr Vater William war am Leben. Ihn hatten wir mit einer eben erst entdeckten neuen mysterösen Kraft in der Vergangenheit gerettet. Doch Chloe bezahlte teuer dafür.

Als sie mir im Rollstuhl entgegen fuhr, reagierte ich trotz der Vorahnung mindestens so fassungslos wie Max. Mit beiden Händen vor dem offenen Mund nämlich. Danach fuhr ich mir mit einem “Fuck” durch die Haare und fragte mich, was ich da angerichtet hatte.

Es half in dem Moment sicherlich, dass ich da noch nicht wusste, dass diese Szenen forciert waren. Anders als in Episode 2 gibt es in Episode 3 kein anderes Ende. Aber das ist auch kaum anders möglich. Das Spiel mit einer gesunden Chloe und einem toten William und mit einer behinderten Chloe und einem lebenden William in alle Richtungen fortzusetzen, ist für die Entwickler sicherlich nicht mehr kontrollierbar.

Was Entscheidungen anbelangt, gab Episode 3 über nicht viele Dinge Aufschluss. Welche Auswirkungen hat die Entscheidung am Ende von Episode 2 über Nathan, David oder Mr. Jefferson? Da kam für mich in Episode 3 eigentlich gar nichts durch. Und die Entscheidungen, die ich in Episode 3 getroffen habe, scheinen im Nachhinein völlig irrevelant – wegen Chloe…

Es zeichnet sich inzwischen ab, dass Life is Strange eben doch einem dicken roten Faden folgt. Das enttäuscht mich nicht, eher hätte mich alles andere überrascht. So cool es mit Entscheidungen ist, die Einfluss auf das Spielgeschehen haben – alles muss eben kontrollierbar bleiben. So war es mit Beyond Two Souls und so war es auch schon mit  Heavy Rain. Aber Life is Strange vermittelt auch weiterhin ein Gefühl, als wäre alles wichtig – und macht mir jede Entscheidung schwer.