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Ist die USK daran Schuld, dass Indies nicht mehr im eShop vertreiben wollen?

By Tony, 21. Mai 2015

Ist die USK Schuld daran, dass Indies demnächst nicht mehr im Nintendo eShop vertreiben? Zu dieser Annahme kommen viele Fans, nachdem Nintendo Life gestern exklusiv berichtete, viele kleine unabhängige Entwickler würden aufgrund der hohen USK-Gebühren planen, den deutschen Nintendo eShop zukünftig außen vor zulassen. Nur der USK den schwarzen Peter zuzuschrieben, damit macht man es sich aber zu einfach.

Was vielen unbekannt sein dürfte: Für die Veröffentlichung im Nintendo eShop ist gar keine USK-Prüfung vorgeschrieben. Weder durch die USK, noch vom Gesetz. Das bedeutet nichts anderes, als dass nicht die USK daran “Schuld” hat, dass kleine Entwickler ihre Spiele für den Nintendo eShop einer USK-Prüfung unterziehen (müssen).

Spiele, die nur im Nintendo eShop (und damit ausschließlich digital) vertrieben werden, unterliegen nämlich nicht den Bestimmungen des JuSchG, auf dessen Grundlage ansonsten die USK-Einstufung vorgeschrieben ist. Für Spiele, die nur digital vertrieben werden, greift der JMStV, der eine Selbstkennzeichnung durch den Anbieter vorsieht.

Nintendo jedoch hat sich – wie auch andere Anbieter – darauf festgelegt, dennoch (auch wenn nicht vorgeschrieben) eine USK-Freigabe zu fordern und so im Nintendo eShop anzuzeigen. Das wiederum hat auf der anderen Seite durchaus nachvollziehbare Gründe. Nämlich einen transparenten und einheitlichen Jugendschutz in Deutschland. Das ist eine Entscheidung von Nintendo, zu der man (genau wie Sony) nicht gesetzlich verpflichtet ist, aber die in meinen Augen durchaus löblich ist.

Dann sind wir also doch wieder bei der USK und den hohen Gebühren? Nicht ganz.

Denn genau für solche Fälle gibt es eigentlich das IARC-Rating. Dieses soll Anbieter (wie Nintendo) bei einer Selbstkennzeichnung mit einem anerkannten und nachvollziehbaren Verfahren unterstützen. Die USK bewirbt dieses Verfahren aktuell sogar mit einem “How-To-Video” auf ihrer Website. Schon lange vor dem Artikel von Nintendo Life wurde also das Problem erkannt und eine attraktive Lösung gefunden. Man muss sie nur nutzen. Am Ende stünde sogar auch wieder das USK-Logo.

Nintendo müsste IARC also lizenzieren und implementieren. Für Einreicher (also Indies) wäre der Prozess dann im Anschluss sogar kostenlos (oder könnte es sein). Genauso handhaben das beispielsweise der Google Play Store oder der Mozilla Firefox Marketplace. Andere Anbieter (wie Nintendo) würde also gut daran tun, sich schleunigst um das IARC-Rating zu bemühen – sollten die Gerüchte um die Indies stimmen.

Übrigens, noch eine kleine Anekdote aus dem Nischenpublishing. Als Sorcery Saga letztes Jahr in Europa erschien, nur nicht im deutschen PlayStation Store, wollte man das auch gern auf die USK-Gebühren schieben. Ein Vertreter eines Nischenpublishers nannte das mir gegenüber “eine Schande”, denn ein “digitaler Vertrieb” wurde sich wegen der hohen “Margen” eigentlich “immer lohnen”. Mag jetzt nicht auf die Indies zutreffen, aber passt hier vielleicht ganz gut rein.

Viele Grüße, euer Hobin Rood.

PS: Ja, das USK-Logo finde ich auch zu groß.