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Bloodstained: Marktforschung auf Kosten der Verbraucher?

By Tony, 12. Mai 2015

Update am 28.05.2015 um 16:03 Uhr: Allem Anschein nach handelt es sich bei dem mysteriösen Geldgeber um den potenten Publisher Koch Media, der nun das Trademark zum Spiel registrierte.

Bei aller Euphorie und Freude über Bloodstained – wir müssen über die Form der Verwendung von Kickstarter reden. Über den möglichen Missbrauch, um es mal gleich auf die Spitze zu treiben. Habt ihr euch nicht gewundert? Sollen 500.000 US-Dollar für ein Projekt wie Bloodstained ausreichen? Soll das bisschen Geld all die Entwickler, die daran arbeiten, monatelang (vielleicht jahrelang) ernähren und alle gleichzeitig alle Ressourcen für die Entwicklung finanzieren?

Koji Igarashi zu Bloodstained bei Gamasutra:

All I can say right now is that after over a year of talking with just about every publisher out there, I was able to secure funding for about 90 percent of the game with the condition that I prove the market still wants an Igavania game. Kickstarter proved to be a great solution, as it would (hopefully) show that people still want an Igavania game while simultaneously providing funds for the core game.

Ben Judd, Igarashis Agent, bei Wired:

We have backing investment. Maybe it’s a publisher, maybe it’s VC, maybe it’s a wealthy individual. But it is… somebody that believes in the franchise.

Zunächst ist die Intransparenz, die Ben Judd da walten lässt, erstmal negativ anzurechnen. Man muss den Geldgeber ja nicht beim Namen nennen, aber eine Eingruppierung hätte nicht geschadet. Dann ein offensichtlicher Widerspruch: Wenn es jemand ist, der an das “Franchise glaubt”, warum muss Igarashi dann mit Kickstarter beweisen, dass ein Markt da ist? Also gehen wir mal vom Schlimmsten aus, nämlich davon, dass hinter dem Geld ein Publisher steckt. Ob ein kleiner oder ein großer.

Das wäre dann Marktforschung auf Kosten der Verbraucher. Marktforschung deshalb, weil Igarashi klipp und klar sagt, er wolle den Geldgebern beweisen, dass der Markt für sein Spiel da ist. Und auf Kosten der Verbraucher deshalb, weil das Risiko für das Produkt nicht mehr beim Hersteller (oder Geldgeber) liegt, sondern beim Verbraucher. Es ist auf viele kleine Schultern verteilt, immerhin. Aber es ist der Verbraucher, der das Geld vorab entrichtet, ohne zu wissen, wie gut das Endprodukt ist, das er erhält. Er trägt das Risiko. In welcher Branche funktioniert das denn auch so?

Und überhaupt: Jeder, der behauptet, ein Igavania hätte keinen Markt, ist doch blind. Das ist ja fast so absurd, wie zu behaupten, ein 3D-Plattformer von ehemaligen Rare-Entwicklern hätte keinen Markt…

Nun kann man natürlich sagen: “Wenn es mir Bloodstained bringt, dann lasse ich mich gern bei Kickstarter missbrauchen”. Das ist in meinen Augen legitim, ja. Aber dann kann man nur hoffen, dass dies die Ausnahme bei Kickstarter bleibt und nicht zur Regel wird. Denn es gibt viele, viele Projekte bei Kickstarter, die das Geld wirklich brauchen, um zu existieren – und zu 100% jeden Cent.

Ich will Igarashi nicht verteufeln, ganz und gar nicht. Ich glaube, er sieht das genauso wie all die Igarashi-Fans da draußen. Wenn es notwendig ist, dass er Kickstarter dafür heranziehen muss, dann macht er es halt. Aber wie so oft im Leben gilt: ruhig mal hinterfragen. Ich glaube, so richtig im Kickstarter-Sinne ist das alles nicht.

Nun ist die Kampagne auf der anderen Seite natürlich auch eine Möglichkeit für die Fans, an der Entwicklung des Spiels zu partizipieren. Das gäbe es bei einer traditionellen Veröffentlichung natürlich nicht. Igarashi macht das in Interviews auch sehr deutlich.

Es kann trotzdem nicht schaden, mal ein wenig darüber nachzudenken. Sollte sich am Ende herausstellen, dass tatsächlich ein potenter Publisher der Geldgeber ist, bin ich jedenfalls nicht d’accord damit.

 

3 Comments

  1. Antimatzist sagt:

    Sehe ich komplett anders und würde mir eher wünschen, dass (große) Publisher so etwas öfter machen würden (nicht unbedingt auf KS, aber so intern. Hatte SE sowas nicht mal gemacht?)

    1. “Und überhaupt: Jeder, der behauptet, ein Igavania hätte keinen Markt, ist doch blind” Naja. Ich weiß nicht. Ja, in Gamerkreisen, aber bei stetig steigenden Entwicklungskosten, selbst für so ein simpel aussehendes Spiel, ist das nicht riskant. Deine Einnahmen bleiben ja änlich hoch, nur die Kosten steigen. Ich kann Unternehmen verstehen, dass das teilweis ezuviel Risiko ist, was jedoch manchmal eingegangen werden muss. Über Kickstarter das Interesse (verbindlich!) nachzufragen, ist ein guter Weg. Vor allem erlaubt es Spielern, sich seine “Belohnung” direkt selber auszusuchen. Und alles weltweit. Denn..
    2. Japanische Publisher denken nicht außerhalb der Grenzen Nippons. Der heimische Markt ist für viele noch Maß der Dinge, trotz des Erfolgs außerhalb (bestes Beispiel: Braveley Default). Durch Kickstarter bezieht man die westlichen Spieler direkt mit ein und sieht direkt den globalen Markt. Das ist sicher für Serien, die sich außerhalb Japans besser verkaufen als in japan, gut (Castlevania gehört da afaik zu).

    Natürlich ist das auch kritisch zu sehen, aber eben die normale Kritik am Crowdfunding großer Projekte. Wir kennen nichts vom Spiel und sollen 100$ bezahlen? Na toll, am Ende wird es wirklich mies. Aber selbst dann ist es ein Experiment, was Nachfolger finden sollte. Und: am Ende wird der Publisher immernoch genug Geld in das Projekt stecken müssen, das Geld, was über Kickstarter reinkommt, wird nur ein bruchteil der tatsächlichen Kosten sein. Aber wenn man zumindest sieht, dass man 20.000 Leute selbst ohne Produkt erreicht, stimmt das doch zuversichtlicher.

    Kickstarter gibt zumindest etwas Sicherheit wieder, die die großen Publisher gerade mit mobile Titeln erreichen, was aber traditionelle Gamer eben abschreckt (teils zurecht, teils nicht). Also man darf es schon kritisch sehen, aber eigentlich sehe ich das nicht negativ.

  2. Tony sagt:

    Ich kann auch verstehen, dass Unternehmen kein Risiko gehen wollen. Und ich kann auch den Geldgeber verstehen, dass er sich absichern will. Wer weiß, ich würde es als Geldgeber vielleicht genauso machen? Aber ich bin nicht der Geldgeber, ich bin der Verbraucher! :) Und das Risiko auf den Verbraucher abzuwälzen, kann aus unserer Sicht sicherlich nicht der richtige Weg sein. Ein guter gleich gar nicht.

    Und den zweiten Punkt hab ich ja im Prinzip auch so im Text stehen ;)

    Wie gesagt. Will keinen verteufeln und verstehe auch jeden Igarashi-Fan der sagt: Mir doch egal, mach ich trotzdem!! Aber es kann nicht schaden mal darüber nachzudenken was da läuft. Für mich gab dann letztlich auch noch die unsympathisch und widersprüchlich wirkende Antwort des Agenten von Igarashi den Ausschlag.

  3. Blackiris sagt:

    Ich kann dich durchaus verstehen, aber wie Matze sehe ich das auch anders. Crowdfunding ist auch eine fantastische Möglichkeit für Entwickler, mehr Freiheit zu erlangen. Wenn das Projekt erfolgreich ist, bestätigt das den Geldgeber sicherlich darin, dass die Richtung, in die das Projekt geht, die richtige ist. In anderen Worten: Er wird vielleicht weniger kreative Eingriffe tätigen.

    Unterm Strich ist ein High-Budget-Projekt immer riskant. Es hat schon seinen Grund, warum auch Spiele von bekannten Franchises wie Mega Man und Castlevania gecancelt werden.

    Abgesehen davon hört der Konsument ja auf, reiner Konsument zu sein, wenn er beim Crowdfunding mitmacht. Denn dann wird er ja selbst zu Mitfinanzierer des Spiels. Crowdfunding hat unglaubliches Potential, die Community zu involvieren – nicht nur in den Finanzierungs- sondern auch in den Entwicklungsprozess.

    Abgesehen davon ist es auch eine sehr gute Möglichkeit, das Geld gezielt zu investieren. Wenn ich mir ein Spiel kaufe, wie viel Prozent kommen am Ende wirklich beim Entwickler an? Ich persönlich will den Entwicklern lieber einen größeren Anteil geben, die XX% (40 oder so?) die die Retailer beispielsweise nehmen, würde ich lieber direkt an die Entwickler geben.

    Und zum Thema Risiko: Gerade dadurch, dass hinter den erfolgreichsten Projekten wirklich erfolgreiche Leute stehen, reduziert sich doch das Risiko. Dieses Risiko besteht doch eher bei Projekten, die das Geld “wirklich brauchen” (Indies etc.)
    Unterm Strich unterstütze ich trotzdem lieber die kleinen Projekte, weil mir das das Gefühl gibt, näher am Geschehen dranzusein.

    Aber im Großen und Ganzen sehe ich die Crowdfunding-Sache als sehr positiv. Man muss auch bedenken, dass die großen Entwickler den Weg für Nachfolger ebnen: Vor ein paar Jahren wusste kaum einer, was Crowdfunding überhaupt ist, und mittlerweile ist es mögliche, große Spiele darüber zu finanzieren oder zumindest teilzufinanzieren. Davon profitieren ja auch alle Nachfolger, weil die Plattform ja stetig bekannter wird.

    Und als letztes ist es sicherlich auch extrem positiv für den Marketing-Effekt. Am Ende wird ja keiner zu irgendetwas gezwungen, und diejenigen, die kein Risiko wollen, können sich das Spiel zum Release kaufen. Bei den niedrig angesetzten Zielen ist es ja eh meist garantiert, dass die AAA-Projekte finanziert werden – ich sehe kein Problem darin, den Spielern die Wahl zu geben, ob sie sich direkt in die Finanzierung involvieren wollen.