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Bloodborne

By Tony, 4. Mai 2015

Einige Tage ist es schon her, dass ich Bloodborne durchgespielt habe. Mein erstes Souls-Spiel und in meinen Augen der erste echte Pflichtkauf für PlayStation 4. Um zu dieser Einsicht zu gelangen, habe ich allerdings einen harten Weg bestreiten müssen. In bester Erinnerung ist einigen sicherlich mein Twitter-Selbstgespräch zu Beginn des Spiels. Ich war gnadenlos am ersten Boss gescheitert, dem Kleriker-Biest. Es schien mir unfair. Zu schwer. Ich war kurz davor, Bloodborne zu beenden, wegzulegen, nie wieder anzurühren. Denn das würde ich ja sowieso nicht schaffen. Darauf hätte ich auch gar keinen Bock. Ich will Spiele nicht “arbeiten”, neee.

Angestachelt von vielen Reaktionen darauf machte ich weiter – Gott sei Dank. Ich holte mir Tipps und nach wenigen weiteren Versuchen färbte sich der Bildschirm düster: BEUTE ERLEGT. Es sollten viele weitere solcher Bildschirme folgen. Ich vernichtete sie alle. Auch im weiteren Verlauf habe ich oft mehrere Versuche für Bosse gebraucht, aber ich war mit jedem Versuch ein Stück näher dran am Sieg.

Bloodborne wurde für mich zu der eigentlich zu scharfen Mahlzeit, von der man aber trotzdem weiter isst, auch wenn der Rachen schon brennt. Ich schlich mich durch die Gewölbe, ließ mich in Sekunden von Jägern töten, die plötzlich auftauchten. Oder auch mal von ganz normalen Goblins. Selbstüberschätzung wird gnadenlos bestraft. Ich fühle mich in einem Gebiet relativ sicher? Goblins mache ich normalerweise mit zwei Axtschwingen kalt? Nun, drei Goblins nicht. Das kleine Grüppchen holt mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Bloodborne ist dabei nie unfair. Wenn ich sterbe, dann, weil ich entweder einen Fehler begangen habe oder etwas nicht richtig gemacht habe. Eine Einsicht, die oft weh tut.

Bloodborne setzt noch eins drauf. Die Goblins behalten meine Blutechos bei sich und ich starte wieder bei der letzten Lampe. Eine Stunde lang habe ich mich durchgekämpft. Nun noch einmal. “Verdammt”, denke ich. “Du musst vorsichtiger sein.” Es gibt nur wenige Checkpoints, aber nicht zu wenige. Eine Abkürzung freischalten, das gab mir in manchen Gebieten mehr Befriedigung als so mancher Endboss in anderen Spielen. Eine Abkürzung. Eine Tür öffnen und feststellen, dass man im Bereich dahinter schon einmal war. In welchem Spiel kann das derartige Glücksgefühle wecken?

Aber Bloodborne ist nicht nur der Schwierigkeitsgrad. Bloodborne bietet eine Atmosphäre, die mindestens so dicht ist wie jene im Wohnzimmer meines Kumpels nach dem 3:2 Sieg des BVB gegen Malaga – also unglaublich dicht. Das Setting gefällt mir wahnsinnig gut, der Soundtrack ebenfalls. Es gibt nicht viel, was man an Bloodborne aussetzen kann.

Wenn ich etwas nennen müsste, dann wäre es das seltsame Tutorial. Mir ist schon klar, dass Souls-Fans ein solches Tutorial verabscheuen. Aber dieses dann auf dem Boden zu verteilen? Diese Entscheidung hat mich letztlich mehr Zeit gekostet, als es ein Tutorial hätte schaffen können. Andererseits: Ich konnte nicht als Jäger in dieser Welt aufwachen und mich von wem auch immer durch die Steuerung führen lassen. Ich weiß keine schöne Lösung dafür.

Was ich weiß: Bloodborne ist ein Meisterwerk, in jeder Hinsicht. Das beste PlayStation-4-Spiel und vielleicht auch das beste Spiel, das ich in den letzten zwei, drei Jahren gespielt habe. Es ist schwer, da Vergleiche zu ziehen. Aber wenn mich jemand fragt, welches für mich das intensivste Spielerlebnis der letzten Jahre war, ich müsste nicht lange überlegen.

2 Comments

  1. Bloodborne: Mein Tagebuch | Blackmage sagt:

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  2. Sevie sagt:

    Der Wechsel von “ist mir zu schwer” zu “boah, ist das geil” hag man zwar in deinem Tagebuch und bei Twitter mitbekommen, dennoch sehr schön, deinen Gesamteindruck vom Spiels noch einmal zusammengefasst zu lesen. Ich stimme die auch bei vielem zu, ist wirklich ein richtig tolles und intensives Spiel : )