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Season-Pass zu The Witcher 3: Gut oder Böse?

By Tony, 8. April 2015

Nun also doch? CD Projekt Red, vermutlich einer der kundenfreundlichsten Entwickler überhaupt, hat einen Season-Pass zu The Witcher 3: Wild Hunt angekündigt. “Expansion Pass” nennt man das vorsichtshalber, die Pressemeldung ist direkt flankiert von Zitaten und Rechtfertigungen. CD Projekt Red hat einen Ruf zu verlieren – das scheint man auch selbst zu wissen, hat man sich diesen doch nicht nur mühsam, sondern wohl auch beabsichtigt aufgebaut.

Dabei sind die angekündigten Erweiterungsinhalte natürlich zunächst nichts anderes als ein Season-Pass. Nun ist mir keine Definition zum Season-Pass bekannt, aber einen Season-Pass zeichnet aus, dass man sich schon vor Erscheinen der DLC-Inhalte (und ggf. sogar vor Erscheinen des Spiels) mit einer virtuellen Saison-Karte alle bereits angekündigten oder auch noch nicht angekündigten Inhalte sichert. Freilich gegen Bares. Ob die Inhalte schon angekündigt sind oder nicht, spielt dabei eigentlich kaum eine Rolle. So oder so kann man nicht wissen, was genau man für’s Geld letztlich bekommt. Weshalb es wirklich seltsam ist, dass soviele Kunden zum Season-Pass greifen. Aber das würde wohl den Rahmen sprengen…

Das ist also ein Season-Pass und deshalb ist natürlich auch das “Expansion Pack” zu The Witcher 3 ein Season-Pass. Dass CD Projekt Red es anders nennt, hat wohl damit zu tun, dass man sich nicht mit diesem inzwischen doch negativ belegten Begriff belasten will. Denn zunächst mal gilt, dass ein Season-Pass grundsätzlich eine schlechte Sache ist. Es würde unserem Hobby wirklich gut tun, wenn jeder das so sieht – aber das ist leider nicht der Fall. Ob aus dieser grundsätzlich schlechten Sache eine gute werden kann, liegt nun an mehreren Dingen. Einige davon sind sogar allgemeingültig.

A) Wann erscheinen die Inhalte des Season-Pass? [Sehr wichtig]

Die zeitliche Nähe zum Launch des Spiels ist hier ausschlaggebend. Wenn Inhalte eines Season-Pass bereits zum Launch des Spiels zur Verfügung stehen, ist es ein schlechter Season-Pass. Diese Inhalte hätten dann nämlich auch auf der Disc sein können – ohne Aufpreis. Ja, es ist grundsätzlich möglich, dass die Inhalte, die zum Release des Spiels zur Verfügung stehen, auch erst nach der Gold-Meldung entwickelt wurden. Ist mir durchaus klar, dass das mitunter auch vorkommt. Schätzungsweise einen Monat vor dem Launch geht ein Spiel ins Presswerk. Aber statt diesen Monat mit DLCs zu verballern, könnten die Verantwortlichen den Entwicklern ja auch einfach in den verdienten Urlaub schicken. Oder zum Bugfixing. Kommt ja durchaus vor, dass ein Spiel so verbuggt ins Presswerk geht, dass man sein Gesicht im wahrsten Sinne des Wortes nicht wiedererkennt.

Wenn Inhalte des Season-Pass deutlich nach dem Launch zur Verfügung stehen, ist spürbar (oder wird ggf. zumindest die Illusion aufrechterhalten), dass die Inhalte auch wirklich erst nach dem Launch entstanden sind. Das sind also Inhalte, mit denen sich die Entwickler beschäftigt haben, nachdem das Spiel fertig war. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Positive Beispiele was diese Zeiträume angeht, die mir jetzt auf Anhieb einfallen: Mario Kart 8 oder The Evil Within.

B) Welche Inhalte bietet ein Season-Pass? [Essentiell]

Natürlich auch ganz wichtig. Bietet der Season-Pass, der in der Regel zwischen 20 und 30 Euro kostet, einen Mehrwert? Für 20 bis 30 Euro kann man nämlich einiges machen und ich finde, einen Season-Pass vor dem Launch eines Spiels zu kaufen gehört definitiv nicht dazu.

Ein paar neue Waffen und Schilde in einem Spiel, in dem es ohnehin unzählige Waffen und Schilde gibt, sind kein Mehrwert. Neue Bikinis sind auch kein Mehrwert. Selbst drei neue Kämpfer in einem Beat’em Up, das eh schon ein dickes Charakterroster hat, sind für mich persönlich kein Mehrwert – allerdings spielen Fighter da wohl noch eine kleine Extrarolle (wenn ein Fighter allerding schon zum Launch des Spiels aus dem Season-Pass gezogen wird, tritt Fall A in Kraft – ist scheiße).

Eine neue Kampagne hat einen Mehrwert. Beispielsweise eine, die die Story aus den Augen eines anderen Charakters erzählt. Oder eine Kampagne, die die Story tatsächlich erweitert. Aber nicht mit Bringe-Hole-Quests, sondern mit einer Geschichte. Die mich nochmal ein paar Stunden fesselt (ob 5 oder 20 ist dabei nicht ausschlaggebend). Das ist ein Mehrwert.

C) Wie gut ist das Spiel zum Launch? [Essentiell]

Das ist natürlich auch ein ganz wichtiger Punkt, denn nach ihm beurteile ich letztlich, wie optional ein DLC-Inhalt ist (er sollte immer sehr optional sein). Das Spiel muss sich zum Launch komplett anfühlen. Rund und komplett. Ich habe noch keinen Season-Pass-Inhalt außer den von The Last of Us gespielt, daher ziehe ich diesen als postives Bespiel diesbezüglich heran. The Last of Us ist einfach rund und komplett. Und ein richtig geiles Spiel. Die Erweiterung erzählt eine Geschichte, die im Hauptspiel nicht fehlt. Aber die man gerne noch erfährt, wenn man The Last of Us durchgespielt hat und weiß, dass es diese zusätzliche Geschichte gibt. Man muss es aber nicht, man kann auch mit The Last of Us so wie es ist sehr gut leben.

D) Wann wird der Season-Pass angekündigt? [Königsdisziplin]

Das ist nicht ganz so wichtig, wenn die vorgenannten Punkte passen. Das ist eher so ‘ne Gefühlssache. Wenn ein Entwickler schon zwei Monate vor dem Launch des eigentlichen Spiels genau beschreiben kann, was die Season-Pass-Inhalte bieten werden, dann ist das irgendwie ein ungutes Gefühl. Wenn der Season-Pass hingegen einen Monat nach dem Launch angekündigt wird, ist das ein gutes Gefühl – wenn das Spiel geil war. Dann freut man sich doch richtig drauf, noch andere Geschichten zu erfahren und fragt sich: Welche könnten das überhaupt sein? Spannend!

Nun bilden wir diese Punkte mal auf The Witcher 3 ab…

A) Die ersten Inhalte aus dem Season-Pass zu The Witcher 3 erscheinen im Oktober. Das ist fast ein halbes Jahr nach dem Launch des Spiels. Es ist geradezu offensichtlich, dass erst nach der Gold-Meldung zu The Witcher 3 mit den Arbeiten an diesen Inhalten begonnen wurde. Ein halbes Jahr nach dem Launch, das ist ja sogar fast schon zu spät.

B) Der Season-Pass zu The Witcher 3 wird zwei neue Geschichten bieten, die jeweils mindestens rund zehn Stunden Spielzeit bieten. Allem Anschein nach massive Erweiterungen, die den Namen verdienen.

C) Wie gut The Witcher 3 zum Launch ist, kann man natürlich noch nicht verbindlich sagen. Aber es sieht wohl ganz so aus, als könnte The Witcher 3 ein richtig geiles Spiel werden. Hoffen wir das einfach mal!

The Witcher 3 hat also noch alle Chancen, die Punkte A bis C mit Bravour zu lösen. Bleibt nur noch Punkt D. CD Projekt Red hat den Season-Pass einen Monat vor dem Launch angekündigt. Das führt dazu, dass ich mir The Witcher 3 im Mai für rund 60 Euro kaufen werde, einlegen werde und genau weiß: Das was du jetzt reinschiebst, ist eben doch noch nicht alles. Ein ungutes Gefühl, irgendwie.

Natürlich ändert sich im Prinzip nicht viel, wenn CD Projekt Red den Season-Pass einen Monat nach dem Launch angekündigt hätte. Nur mein Gefühl. Das ist dann sozusagen eine Gefühlstäuschung. Ich spiele The Witcher 3 durch, halte es für absolut genial, rund und komplett – und dann kommt CD Projekt Red doch noch mit einer DLC-Erweiterung. Ja, is doch geil! Ich glaube genau von diesem Gefühl redet Marcin Iwiński in der Pressemeldung zur Ankündigung, als er von der “guten, alten Zeit” sprach.

Und jetzt schauen wir uns mal noch den O-Ton von Marcin Iwiński an und die dazugehörige Pressemeldung an. Und merken: Die CD-Projekt-Red-Leute sehen das alles genauso. Ich habe mal die Stellen fett markiert, die sich auf die Punkte A-D projiziere lassen. Zuordnen könnt ihr ja selbst.

PRESSEMELDUNG

CD PROJEKT RED, Schöpfer des Rollenspiels The Witcher 3: Wild Hunt mit seiner epischen offenen Spielwelt, kündigt zwei massive Spielerweiterungen an: Heart of Stone & Blood and Wine.

The Witcher 3: Wild Hunt ist ein Rollenspiel der nächsten Generation mit packender Story und offener Welt, in einem grafisch atemberaubenden Fantasy-Universum voller folgenreicher Entscheidungen und einschneidender Konsequenzen. In The Witcher schlüpft der Spieler in die Rolle des Geralt von Riva, einem professionellen Monsterjäger, dessen Aufgabe es ist, das Kind aus einer Prophezeiung zu finden.

Nach dem Abschluss der Arbeiten an The Witcher 3: Wild Hunt ist unser Team zu einem neuen Abenteuer aufgebrochen: Der Erschaffung zwei weiterer, extrem umfangreicher Geschichten im Hexer-Universum”, sagt Marcin Iwiński, Mitbegründer von CD PROJEKT RED. “Wir alle erinnern uns an die gute, alte Zeit, in der Erweiterungs-Disketten und -CD-ROMs Spieleklassikern mit erstklassigen Inhalten neues Leben eingehaucht haben. Als Spielefans wollen wir diese Zeit zurückbringen. Und wir haben bereits in der Vergangenheit gesagt: Sollten wir jemals kostenpflichtige Inhalte veröffentlichen, werden diese erheblichen Umfang besitzen und den Spielern einen echten Mehrwert für ihr Geld bieten. Deshalb ist jede unserer beiden Erweiterungen umfangreicher als so mancher andere kommerzielle Titel.”

In Hearts of Stone erlebt Geralt ein brandneues, über zehn Stunden langes Abenteuer in der Wildnis des Niemandslands sowie den Winkeln und Gassen von Oxenfurt, in dem er versucht, einen Auftrag für den mysteriösen Herrn des Glases zu meistern. Dabei wird er in ein dichtes Netz aus Lügen und Täuschungen verwickelt. Er muss all seine Schläue und Stärke einsetzen, um das Rätsel unbeschadet zu lösen.

Mit einer Spieldauer von über 20 Stunden erlaubt Blood and Wine hingegen erstmals einen Ausflug in das für seinen feinen Wein berühmte Herzogtum Toussaint. Geralt besucht hier ein vom Krieg unversehrtes Gebiet: ein Land des sorgenfreien Genusses und ritterlicher Rituale, hinter denen sich jedoch ein uraltes, blutiges Geheimnis verbirgt.

“Wir bieten zwar schon jetzt einen Expansion Pass an, doch wir möchten eins klarstellen: Kauft ihn euch nicht, wenn ihr auch nur die leisesten Zweifel habt. Wartet auf Testberichte oder spielt zuerst The Witcher 3: Wild Hunt, um zu sehen, ob euch das Spiel gefällt. Die Entscheidung liegt wie immer ganz bei euch”, fasst Iwiński zusammen.

In den beiden Erweiterungen gibt es jede Menge Neues zu entdecken: neue Abenteuer, neue Waffen und Ausrüstungsgegenstände, neue Gegner und sowohl neue als auch seit Langem herbeigesehnte Charaktere aus dem Hexer-Universum. Sie alle werden mit größter Hingabe und Liebe zum Detail als Koproduktion in CD PROJEKT REDs Studios Warschau und Krakau entwickelt.

Hearts of Stone erscheint im Oktober, während Blood and Wine im ersten Quartal 2016 veröffentlicht werden soll. Mehr Informationen darüber, wie Sie die Erweiterungen käuflich erwerben können, finden Sie unter buy.thewitcher.com.

Also, zusammenfassend: The Witcher 3 könnte einen Season-Pass bieten, der einer klassischen Erweiterung so nah wie nur möglich kommt. CD Projekt Red genießt da sicherlich auch einen Vertrauensbonus. Nur, dass ich jetzt schon weiß, dass eine Erweiterung gibt, hinterlässt irgendwie ein ungutes Gefühl bei mir.

One Comment

  1. Holzkohlen sagt:

    Kann ich so unterschreiben. Mir wäre es deutlich lieber gewesen, wenn der Season Pass erst nach dem Launch angekündigt wird. Ich kann diese verfrühten Ankündigungen nie nachvollziehen. Es hätte den Verkaufszahlen doch definitiv nicht geschadet, mit der Ankündigung von Erweiterungen zu warten, im Gegenteil: es gibt sicher einige, die jetzt lieber auf eine Complete, Definitive oder Game of the Year Edition inkl. besagter Erweiterungen warten werden.