zelda-majoras-mask-3d-boxart

Majora’s Mask 3D

By Tony, 16. März 2015

Endlich! Fast 15 Jahre nachdem ich Zelda: Majora’s Mask zum ersten Mal gespielt hatte, habe ich es am vergangenen Wochenende endlich bezwungen. Nun, “bezwungen”, das klingt nach harter Arbeit. Aber das war es ganz bestimmt nicht. Es war ein einziges, großes, unvergessliches Erlebnis. Als Kind verlor ich irgendwo in der Schädelbucht die Motivation. Nicht ohne Grund, wie ich heute weiß. Die Hinweise und Rätsel sind durchaus anspruchsvoll. Dialoge müssen aufmerksam verfolgt werden, um die essentiellen Tipps herauszufiltern. Das ist mir damals wohl nicht mehr gelungen und das großartige Majora’s Mask verschwand deshalb aus meinem Aufmerksamkeitsbereich. Das ist aber auch nicht schlimm, ganz im Gegenteil. So hatte ich nun als Endzwanziger die Chance, dieses großartige Abenteuer viel bewusster und mit mehr Videospielerfahrung anzugehen. Und dabei war mir das Spiel auch noch größtenteils komplett neu, obwohl es nur ein Remake ist – klasse!

Worum es in Majora’s Mask geht, das muss ich wohl niemandem mehr erklären. Link wird im Wald die geliebte Epona gestohlen und auf der Suche nach ihr schlittert er in ein noch viel größeres Abenteuer. Horror Kid, Masken, drei Tage Zeit, ihr kennt das alles. Kritik am Zeitlimit lasse ich nicht zu! Alles, was Majora’s Mask ausmacht, hat damit zu tun, dass die Zeit abläuft und die drei Tage wieder von vorn beginnen. Es ist also sinnlos, darüber zu diskutieren, ob das Zeitlimit gut oder schlecht ist. Das Zeitlimit ist Majora’s Mask und Majora’s Mask ist das Zeitlimit. Majora’s Mask LEBT davon, dass die Zeit abläuft – weil die Welt untergeht. Wer das nicht mag, muss die Finger vom Spiel lassen. Es wäre freilich traurig! Wenn wir aber schon dabei sind: Ich verspürte nicht ein einziges Mal Zeitstress. Am Morgen des ersten Tages habe ich die Zeit mit der rückwärtsgespielten Hymne der Zeit verlangsamt. Ein wenig Planung, was man an den drei folgenden Tagen erledigen will, und dann klappt das ohne Probleme. Wenn man einen Tempel angeht, sollte man das natürlich erst machen, nachdem man die Zeit nochmal “auf Anfang” gedreht hat.

Majora’s Mask hat das beste, das verflochtenste, das motivierenste und das einfach genialste Quest-System, was ich jemals erlebt habe. Stundenlang kann man damit verbringen, den Problemen der Bewohner von Unruhstadt (aber auch andererorts) auf die Spur zu kommen. Die beiden Faktoren “Zeit” und “Masken” heben dieses Quest-System in Sachen Rätselspaß und Motivation auf ein Level, das man nur ganz selten genießen darf. Königsetappe des Spiels ist das unvergessliche Side-Quest von Kafei und Anju, das sich über drei Tage erstreckt und seinerseits mehrere Nebenaufgaben umfasst. Die Auflösung des Quests ist das emotionalste und traurigste, was Videospiele bieten können. Untermalt von einer Stimmung, die kinoreif ist.

Und überhaupt. Diese dichte Atmosphäre in Unruhstadt! Ständig redet ihr mit Menschen, die genau wissen, dass ihr letztes Stündchen geschlagen hat. Ihr könnt ja immer die Zeit zurückdrehen… aber für diese Menschen geht die Welt unter. Sie gehen alle anders damit um. Manche verzweifeln, manche besaufen sich, manche rennen weg, manche bleiben da…. der rote Himmel, der letzte Countdown, die bis auf wenige Menschen leere Stadt wenige Minuten vor dem Aufprall des Mondes… und dazu diese Weltuntergangsmusik… genial.

Doch nicht nur, was Majora’s Mask ausmacht, ist wunderbar. Auch, was ein Zelda-Spiel ausmacht, stimmt in Majora’s Mask. Es gibt zwar leider nur vier Dungeons, aber die sind sehr unterhaltsam, knifflig und fordern teilweise mehrere Stunden eurer Aufmerksamkeit. Die ersten drei Tempel basieren dabei wie gewohnt auf einem konkreten Thema und/oder konkreten neuen Waffen. Der vierte Tempel verlangt hingegen alles von euch ab, was ihr in Majora’s Mask gelernt habt. Außerdem ist die Reise zu den Tempeln jeweils ein Abenteuer für sich, gespickt mit vielen Rätseln, Quests (und Side-Quests) und Unwegbarkeiten. Im Prinzip kann man sagen, dass Majora’s Mask vier geschlossene Dungeons hat und vier “offene Dungeons”. Über zwei Dungeons mehr hätte ich mich trotzdem nicht beschwert.

Ansonsten macht Majora’s Mask im Prinzip auch sonst alles richtig und Majora’s Mask 3D – nie war dieses falsche Wort passender – noch richtiger. Manche mögen das anders sehen, aber das erleichterte Speichersystem ist ganz einfach zeitgemäß und für mich nicht nur eine nette, sondern auch eine notwendige Überarbeitung. Das neue Buch der Bomber ist auch richtig schick und nützlich geworden. Dort werden alle eröffneten Quests eingetragen, inklusive Hinweise zu wichtigen Uhrzeiten. Das sind, denke ich, die wesentlichsten Neuerungen.

Ansonsten wurde Majora’s Mask 3D noch an vielen, vielen anderen Stellen konkret verändert. Das fängt bei Fundorten einiger Masken an und hört sogar bei Tempelbosskämpfen auf. Manchmal fragt man sich, warum… aber letztlich hat es keinen negativen Einfluss auf das Spielerlebnis, ganz im Gegenteil – wahrscheinlich erspart es selbst geübten Spielern stellenweise ein wenig Frust und macht das Majora’s-Mask-Erlebnis einfach runder. Ob ansonsten noch einige Bugs entschärft wurden, kann ich nicht sagen, dafür ist der Teil, den ich vom N64 kenne, zu lange her. Aber sicherlich wird das der Fall sein. So etwas wie 20GB-Day-One-Patches gab es früher ja nicht.

Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, Majora’s Mask noch einmal anzugehen und durchzuspielen. Ob ich jemans nochmal das N64 rausgeholt hätte? Ganz ehrlich, vermutlich nicht. Auf den Konsolen, die draußen stehen, hab ich genug zu tun. Ich kann also alle nur ermutigen: Holt dieses Stück Videospielgeschichte nach. Ihr werdet es nicht bereuen.

Für meinen Durchlauf benötigte ich 33 Stunden. Ich habe alle Masken, aber nur 12 von 20 Herzen. Da warten also noch immer etliche Aufgaben auf mich. Wer mich kennt, weiß: ich bin wahrlich nicht der “Platin”-Spieler. Majora’s Mask gehört zu den Spielen, die ich gerne auf “Perfekt” bringen würde.

One Comment

  1. […] der zweiten Hälfte des Spiels bemerkbar. Der gute Tony von jpgames.de hat früher schon mal an der gleichen Stelle aufgehört. Einerseits werden die Quests und Hinweise immer kryptischer, vieles hätte ich ohne […]