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Was erlauben?! Nintendo will mit DeNA die Smartgeräte erobern.

By Tony, 17. März 2015

Man sagt mir ja ganz gerne mal nach, dass ich in Sachen Nintendo auf einem Auge blind bin oder gar eine Doppelmoral pflege. Damit zum Einstieg gleich mal geklärt ist, dass ich durchaus in der Lage bin, Nintendo zu kritisieren (ich mach das auch regelmäßig): Region-Lock ist scheiße, im Nintendo eShop nicht auf direktem Weg per PayPal Guthaben aufladen ist schrecklich altmodisch. Und dass man immer noch nicht ohne Weiteres Screenshots aus allen Spielen heraus in sozialen Netzwerken posten kann, nervt mich tierisch. Nur um mal ein paar Dinge zu nennen.

Wie auch immer – das hält mich nicht davon ab, auch zu der neuen DeNA-Partnerschaft von Nintendo meine Meinung zu sagen. Nintendo wird gemeinsam mit DeNA in Zukunft Spiele-Apps entwickeln, die auf Nintendo-IPs basieren. Und diese für Smart-Devices veröffentlichen. Aufschrei.

Links:

Weil Nintendo weiß, dass viele seiner Anhänger genauso altmodisch sind wie Nintendo selbst, schob man gleich ein paar Relativierungen nach. Es werden keine Nintendo-3DS-Spiele portiert, es werden extra neue Spiele entwickelt und angepasst. Eine neue Hardware (“NX”) sei schon in Entwicklung und überhaupt sind diese Spiele-Apps doch nur dazu da, diese Smartphone-User davon zu überzeugen, sich eine richtige Nintendo-Konsole zu kaufen. Ok, erstmal durchatmen.

Fakt ist, dass diese Einsicht von Nintendo längst überfällig war. Noch vor Jahren hatte Satoru Iwata gesagt, sowas käme nicht in Frage. Nun muss er zurückrudern. Und Nintendo-Aktionäre fallen vor Dopamin-Ausschüttung reihenweise in Ohnmacht. Ich hoffe, es geht allen gut.

Nintendo hat sich in seiner langen Geschichte schon sehr oft (und sehr gravierend) verändert. Vor allem in den Jahren, als die Männer in den Büros ganz oben noch nicht so alt waren wie heute. Nintendo mag innovative Dinge wie 3D-Effekt oder die Wii veröffentlichen, aber im Grunde macht man seit inzwischen bald 30 Jahren dasselbe: Videospielhardware entwickeln – und danach Software dafür. So lange hat Nintendo in seiner Geschichte selten mit der gleichen Sache Geld verdient.

Es war Zeit, sich neuen Geschäftsfeldern zu öffnen. Das müssen wir akzeptieren, wenn wir wollen, dass es Nintendo gut geht. Und das will doch jeder. Neue Geschäftsfelder hat man schon letztes Jahr mit dem komischen Health-Wecker (neumodisch: Quality of Life) eröffnet, der leider kaum jemanden interessieren wird. Gut, dass Nintendo mit DeNA nun ein Geschäftsfeld eröffnet, dass die Verluste des “Quality of Life”-Geschäftsfelds abfedern wird. Ein (längst überfälliger) Glücksfall waren auch amiibo, die Nintendo gut tun werden.

Und ich glaube, dass das auch gelingen kann, ohne die alten Konsoleros vor den Kopf zu stoßen. Ich las auf Twitter schon von Pokébällen für 0,99 Euro. Warum traut man Nintendo nicht zu, die Sache fair zu gestalten? Ich will mal behaupten: Wenn jemand das attraktiv, fair und qualitativ hochwertig hinbekommen kann, dann Nintendo. Ein Nintendo, von dem mir kein 20-GB-Day-One-Patch für ein First-Party-Spiel bekannt ist. Ein Nintendo, dass Onlinespielen ohne zusätzliche Kosten ermöglicht. Ein Nintendo, das bisher nahezu gänzlich auf Season-Pässe für seine First-Party-Spiele verzichtete oder sie aber inhaltlich, preislich und zeitlich so gestaltete, dass man sich eher an 90er-Jahre-Erweiterungen als an Season-Pässe erinnert fühlte (Stichwort: Mario Kart 8). Ein Nintendo, das ohnehin schon Free-2-Play-Spiele veröffentlichte. Von denen ich persönlich zwar gehört habe, dass sie intensiv gespielt werden und viel Spaß machen, aber von denen ich noch nie gehört habe, dass jemand überhaupt was dafür bezahlt hat (Stichwort: Pokémon Shuffle).

Ein Nintendo zugegebenermaßen auch, dass “DLC” auf amiibo-Figuren packt. Wohlgemerkt: Für den Kauf von amiibo war bisher wohl eher der Sammelwahn, als die DLC-Inhalte ausschlaggebend. Aber auch hier muss ich persönlich sagen, dass es mich noch nie auch nur ansatzweise gejuckt hat. Bisher gab es da Flugzeugskins oder neue Kostüme – Dinge jedenfalls, die ich nie vermisst habe, wenn ich sie nicht hatte. Kritigwürdig scheint mir die amiibo-Nutzung in Mario Party 10, aber damit habe ich mich noch nicht ausreichend auseinandergesetzt und das ist ja auch nicht Thema des Artikels, also nur am Rande.

So oder so – um sich ein Urteil zu bilden ist es zu früh. Und düstere Zukunftsszenarien sind völlig überzogen. Ich habe von Leuten gelesen, die Nintendo mit dem Werdegang von Sega verglichen haben. Davon sind wir zum Glück noch weit entfernt. Die ersten Spiele-Apps wird es geben, da freut ihr euch immer noch auf den neusten Trailer zum neuen Zelda für eure gute alte Nintendo Wii U (falls ihr denn überhaupt eine habt). Und vielleicht werden diese Apps sogar unbemerkt an euch vorbeiziehen. Noch besser: Vielleicht sind diese Spiele-Apps ja sogar gut. Und existrieren friedlich neben euren neuen Konsolengames. Kein unwahrscheinliches Szenario in meinen Augen. Nintendo hat genug Marken und Minispiele, die sich eignen.

Nur eine Frage stellt sich, aber allenfalls sehr, sehr langfristig: Was, wenn die Spiele-Apps zum Mega-Mega-Erfolg werden? Ansonsten bleibt mir nur, Nintendo dazu zu gratulieren, dass sich so viele Menschen teilweise so emotional um seine Zukunft sorgen. Ich für meinen Teil glaube, dass Nintendo hier einen richtigen Weg eingeschlagen hat und dass Nintendo diesen auch verantwortungsbewusst gehen kann.

Schauen wir mal, was die Zukunft bringt. Zum Abschluss, der Tweet des Tages und ein Blick auf die Aktie: