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P.T. von Hideo Kojima

By Tony, 21. März 2015

Seit fast anderthalb Jahren habe ich kein PlayStation-Plus-Abo. In einem Anflug von Ehrerweisung für Hideo Kojima habe ich mein Abo nun gestern tatsächlich um drei Monate verlängert, nur um P.T. zu spielen (Valiant Hearts hab ich mir aber auch gesichert). Der “Playable Teaser” ist leider immer noch nur mit Abo in Europa spielbar. In Japan ist das anders, wie mir Kamion erzählte. Naja. (Wenn wir schon bei Twitter-Links sind, danke für das Fanmade-Boxart, fr0schi!)

Jedenfalls war ich gespannt, was P.T. zu bieten hat. Das vielleicht vorletzte Spiel von Hideo Kojima? Wer weiß. Ich hatte viel darüber gelesen, aber zum Glück noch keinerlei Videos geguckt. Somit konnte ich ganz unvoreingenommen spielen. P.T. war eine sehr interessante, gruselige, eklige, absonderliche und spannende Erfahrung. Aber auch eine mit knackigen, teilweise wirklich unfairen Rätseln.

Das letzte Rätsel ist im Prinzip nur durch Zufall oder unter Hinzunahme von Google lösbar. Rückblickend ein bisschen schade, dass es damals so schnell gelöst wurde. Wenn der Lösungsweg stimmt, der im Video unten beschrieben wird, ist das natürlich eine wahnsinnige Detektivarbeit. Alleine eigentlich nicht machbar für Leute, die Videospiele einfach nur spielen. Andererseits hab ich auch gelesen, dass es andere Lösungswege gibt. Jede “Komplettlösung” bietet eigentlich einen anderen. Geklappt hat es bei mir aber auch mit der Lösung aus dem Video.

Aber auch abseits des letzten Rätsels hat P.T. wirklich einiges zu bieten. Die Jumpscares sind gar nicht so häufig, wie ich erwartet hatte. Stattdessen ist das Spielgefühl getrieben von einer unnachgiebigen Angst, dass gleich irgendetwas passieren muss. Und dem wirklich bizarren “Levelaufbau” – man bewegt sich im Prinzip immer über den gleichen Flur. Schnell wird auch klar, dass man ähnlich wie in Outlast hilflos ist. Keine Waffe, keine Hände… aber es wird auch relativ schnell klar, dass es keine “Gegner” gibt. Nur einen Fötus im Waschbecken, den Geist einer Frau, der unvermittelt und scheinbar völlig zufällig auftaucht und uns, den Protagonisten. Und dann ist da noch der, der uns beobachtet. Dieses Gefühl hatte ich zumindest.

Bei jedem Neubeginn auf dem Flur scheint sich irgendetwas verändert zu haben. Das ist in der Tat so. Was zum Teufel passiert hier? Was zum… war das vorher schon da? Lag das gerade schon dort? Und auf einmal baumelt ein Kühlschrank über euch, aus dem Blut tropft. Steht dort vorne jemand? Am Ende des Flurs? Ich zoome ein wenig rein – die einzige Art der Interaktion, die wir haben. Nee, da ist nix. FUCK!! Doch!! Da steht jemand! Kaum realisiert man das, hetzt der Geist auch schon auf uns los. Einer der Jumpscares. Aber genauso schnell weg, wie er da war. Nichts ist passiert.

Babygeschrei, eine schluchzende Frau. Gestöhne. Dann ein Glockenschlag und plötzlich Stille. Die Geräuschkulisse ist wirklich fantastisch. Oftmals hab ich mir gewünscht, ich könnte einfach den Schlüssel von der Kommode nehmen und das Haus durch die Tür verlassen, die sich das ganze Spiel über nicht öffnen lässt. Geht aber nicht. Es gibt nur einen Ausweg aus dem Flur und der führt die Treppe hinunter. Danach stehe ich wieder am Eingang. Bizarr.

Irgendwann ist die Umgebung vertraut, auch wenn sie ständig kleine Dinge ändern (oder zu ändern scheinen). Dann lässt auch die Angst ein wenig nach, die Suche nach des Rätsels Lösung weicht ein wenig der Routine. Das mag auch dem Fakt geschuldet sein, dass ich fast drei Stunden für den Durchlauf benötigt habe. Das ist auch gut in 30 Minuten machbar, aber ich habe wirklich unglaublich lange versucht, das letzte Rätsel selbst zu lösen, bevor ich Google bemüht habe. Sollte es ein Spiel über viele Stunden schaffen, das Gefühl von P.T. dauerhaft aufrechtzuerhalten – es wäre wohl der neue Genrekönig. Ich hatte mit P.T. jedenfalls so viel Gänsehaut wie lange nicht mehr.

Was aus P.T. wird, ist leider unbekannt. Das war es auch schon, bevor in diesen Tagen (vermeintlich) bekannt wurde, dass Hideo Kojima Konami verlässt. P.T. ist nicht Silent Hills. Es ist keine Demo zu Silent Hills, kein Ausschnitt aus dem Spiel. Allenfalls dürfte es wohl ein Vorgeschmack auf die Atmosphäre sein, die Silent Hills bieten will. Vielversprechend. Aber nun ist ja leider auch unbekannt, was aus Silent Hills wird… ich hoffe, Kojima kann es beenden.

PS: Es fiel mir schwer, meine Eindrücke zu P.T. in Worte zu fassen. Ich hoffe, der Text war nicht zu wirr.

 

Die Lösung des letzten P.T. Rätsels:

 

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