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Life is Strange: E1 – Chrysalis

By Tony, 22. März 2015

Am Wochenende habe ich mich einfach mal getraut, Life is Strange herunterzuladen. Also die erste Episode des Spiels. Life is Strange erscheint im Episodenformat. Download und Episodenformat, das sind ja durchaus zwei Dinge, denen ich skeptisch gegenüberstehe. Im Falle von Life is Strange ist die Distributionsform in meinen Augen völlig legitim und auch das mit den Episoden scheint zu passen. Zumindest ist das mein Eindruck nach dem Durchspielen von Episode #1 “Chrysalis”.

Ich habe viel Gutes gehört von Life is Strange und weil ich am Freitag sowieso PSN-Guthaben aufgeladen habe, um erstmals seit anderthalb Jahren mein PlayStation-Plus-Abo wegen P.T. zu verlängern, habe ich mir einfach auch mal Chrysalis gegönnt – war kein Fehler. Zusätzliche Motivation verlieh mir das interessante Bekenntnis von Entwickler Dontnod, Square Enix sei der einzige Publisher gewesen, der nichts an Life is Strange ändern wollte.

Einem Video-Entwicklertagebuch zufolge war Dontnod nämlich bei einigen Publisher vorstellig, aber alle wollten irgendetwas ändern. Angefangen bei der weiblichen Hauptfigur bis hin zum Einbau von Quick-Time-Events, damit es mehr Action gibt. Unter Square Enix durfte Dontnod das Spiel so fertigstellen, wie man es geplant hatte. Gute Sache. Ein schwacher Hauptcharakter, ein Außenseiter, ja ein Mädchen noch dazu – das scheint einigen Entscheidungsträgern offenbar nicht zu passen…

Aber Max passt natürlich wie die Faust auf’s Auge zu Life is Strange. Sie erhält plötzlich die Gabe, die Zeit zurückzudrehen und so Entscheidungen zu revidieren oder auch nicht. Ein interessantes Werkzeug. Erstmals entdeckt sie es, als sie auf der Toilette zufällig Augenzeugin davon wird, wie ein labiler Mitschüler im Streit um Drogen eine andere Mitschülerin erschießt. Max kann das schließlich verhindern. Ansonsten kommt das Feature auch bei normalen Multiple-Choice-Antworten in Dialogen zum Einsatz, die offensichtlich keinen Einfluss auf die Story haben. Da finde ich es ein wenig deplaziert. Wenn man die Antwort nicht wusste, muss man halt im schlimmsten Fall dreimal die Zeit zurückdrehen und sinnlos raten…

Noch mehr als von der Zeitmanipulation lebt Life is Strange aber von einer tollen Atmosphäre, einem wirklich tollen Soundtrack und den vielen interessanten Charakteren. Viel Klischee natürlich auch, aber das gehört wohl einfach an eine Highschool. Man kann mit vielen Menschen interagieren und scheinbar durch getroffene Entscheidungen die Handlung beeinflussen. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Handlungen auf folgende Episoden auswirken. Aber es hat auch so sehr viel Spaß gemacht, mehr über die Geschichten und Alltagsprobleme der anderen zu erfahren. Nicht nur in Gesprächen, auch mit Hilfe der vielen Poster, Laptops, Fotos, Bücher und Gegenstände, mit denen man interagiert und über die Max dann laut nachdenkt.

Die Rätsel sind nicht zu leicht und nicht zu schwer, auch das passt meiner Meinung nach. Die fehlende Lippensynchronität ist mir natürlich auch aufgefallen, aber war für mich kein schlimmer Atmosphärekiller.

Ich habe mir erstmal nur die erste Episode gekauft, aber ich werde mir ganz sicher auch Episode 2 kaufen, wenn sie in ein paar Tagen erscheint. Ich bin nicht nur gespannt, wie es mit Max und Chloe weitergeht, sondern auch mit den Nebencharakteren… und natürlich mit Amber…