ni-no-kuni-boxart

Ni no Kuni

By Tony, 23. Januar 2015

Vor einigen Tagen habe ich Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin beendet. Nach Tales of Hearts R und Tales of Vesperia wollte ich erstmal ein wenig Abwechslung reinbringen. Ni no Kuni nachzuholen, war die vorerst beste Entscheidung des noch jungen Jahres! Zum Launch habe ich mir damals die Wizard’s Edition gekauft. Der schicke Tröpfchen-Plüsch hat jetzt einen Ehrenplatz oben auf dem Regal.

Ich habe schon sehr, sehr lange kein Videospiel mehr gespielt, das so voller Liebe steckt.

Olivers Mutter kommt bei einem tragischen Unfall ums Leben. Den erst 13-jährigen Oliver schockt das natürlich schwer. Er weint tagelang. Bis plötzlich eine seiner Tränen einem Kuscheltier das Leben einhauchen. Das Kuscheltier Tröpfchen hat eine abenteuerliche Geschichte zu erzählen. Glaubt man Tröpfchen, so kann Oliver seine Mutter retten, wenn er dem Plüsch in eine Parallelwelt folgt. Dort müsse man nur die Seelenverwandte von Olivers Mutter finden – und nebenher die Welt vor dem Dunklen Dschinn Shadar retten. Da Oliver ohnehin nichts zu verlieren hat, tritt er diese unglaubliche Reise an.

In der Folge erwartet uns eine wirklich phantastische Achterbahnfahrt durch wunderschöne Städte und Landschaften, kuriose Monster und andere zauberhafte Wesen. Ni no Kuni (etwa: “das zweite Land”) bietet ganz einfach die schönste Videospielwelt, an die ich mich bis dato erinnern kann. Sie ist so unglaublich abwechslungsreich und… mir fehlen in der Tat die Superlative.

Ni no Kuni ist allerdings auch ganz klar “world-driven”. Die fesselnde Story ist es nicht unbedingt, die zum Weiterspielen verpflichtet. Aber die Welt entdecken, die Städte erkunden und Wesen wie Lactitia und König Tom XIV kennenlernen, das allein zog mich derart in seinen Bann, das ich es auch für eine weitaus schlechtere Story getan hätte. Wer sich noch nicht in Katzbuckel, Al-Kuhweid oder Laguna in Ni no Kuni verliebt, bei dem muss es doch wohl spätestens in Feenhorst soweit sein, Tröpfchens Heimat.

Zudem sind auch die Charaktere unglaublich liebenswürdig. Oliver macht eine tolle Wandlung durch. Esther ist super und Sven… den muss man eben erstmal kennenlernen. Sogar Tröpfchen ist einfach genial – obwohl er auch leicht in die Rolle der nervigen Fee hätte schlüpfen können. Aber seine Art ist einfach putzig.

Nach dieser Lobeshyme auf die wunderbare Welt, noch ein paar Worte zum Gameplay. Ni no Kuni wird relativ frühzeitig offen. Nach der zweiten oder dritten Stadt steht es euch schon frei, die ganze Welt per Schiff zu erkunden. Ein wenig später kommt dann auch noch der fliegende Drache Tengri hinzu, auf dessen Rücken ihr nun an (fast) jeden Ort der Welt kommt. Dazu gibt es dann auch noch den Zauberspruch Reisen. Der ist dann auch dringend notwendig, um die unzähligen Quests zu erledigen.

Das Kampfsystem wurde von einigen kritisiert. Ich persönlich fand es aber durchaus gelungen. Der Mix aus Action, Pokémon und befehlsbasiert war für mich ziemlich erfrischend und neu. Aber auch nicht ganz einfach. Besonders zu Beginn bin ich doch ein paar Tode gestorben, weil ich einfach nicht den notwendigen Überblick hatte. Und kaum glaubt man, den zu haben, kommt plötzlich der zweite und dann auch noch der dritte Charakter hinzu… aber man gewöhnt sich daran und später geht alles leicht von der Hand.

Man wirft Gefährten in den Kampf, jeder Charakter jeweils einen. Drei Gefährten, die von ihren Herren befehligt werden, kämpfen also dann gegen die Monster. Je nach Bedarf (insbesondere wenn es um Zauber geht) greifen auch Oliver, Esther oder Sven selbst ins Kampfgeschehen ein. Der Clou ist dabei, dass sich Oliver und seine Gefährten eine gemeinsame HP-Leiste teilen, ebenso wie die anderen.

Die Gefährten können trainiert und entwickelt werden, man kann sogar Beziehungen zu ihnen aufbauen und sie füttern. Ein tolles System, das aber auch nicht zu tiefschürfend ist – hat genau den richtigen Umfang meiner Meinung nach. Großer (und eigentlich einziger Minuspunkt) ist die KI der Gefährten. Sie stehen sich oft im Wege rum und führen dann Attacken gegen die Luft aus. Insbesondere, wenn mehrere große Gefährten das Feld bevölkern. Ist insgesamt zu verschmerzen, aber manchmal fragt man sich schon, ob das nicht besser gegangen wäre.

Unter der grandios Musik ist das aber schnell vergessen. Ich habe in den letzten Jahren ganz selten einen Soundtrack so intensiv und bewusst wahrgenommen wie in Ni no Kuni. Der Soundtrack umfasst leider nicht besonders viele Stücke – gefühlt eigentlich nur fünf (tatsächlich sind es natürlich mehr). Aber diese Stücke sind derart grandios, dass ich mich ernsthaft fragen muss, wieso um alles in der Welt Videospielmusikkonzerte diese Musik nicht aufgesogen haben. Zumindest ein Orchester hat sie aufgesogen. Eingespielt wurde der Soundtrack nämlich vom Tokyo Philharmonic Orchestra.

Was ich auch selten so stark gesehen habe in letzter Zeit, waren die Dungeons. Die waren einfach genauso liebevoll gestaltet wie die Oberwelt. Normalerweise ist man ja froh, wenn man wieder draußen ist und die Bosse besiegt hat. Aber die Dungeons in Ni no Kuni erkunden, dass ist eine ganze Ecke wertvoller.

Und noch ein paar wilde Gedankenausgüsse:

Ganz süß war auch das “Gebrochene Herzen”-System. Hat auch wunderbar zur Story gepasst, aber wurde meiner Meinung nach in den Nebenquests wirklich überstrapaziert. Ein Herz auf der einen Straßenseite aufsaugen, um es auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder abzugeben, da hört man dann leider irgendwann auch auf, sich die tollen Geschichten anzuhören, die die Menschen dazu zu erzählen haben.

Die animierten Sequenzen und Kulissen von Studio Ghibli suchen natürlich ihresgleichen. Dazu muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Traumhaft!

Die Lokalisierung ist einfach grandios! Das war ganz bestimmt nicht einfach. Es gibt so unglaublich viele Kultur-, Geografie- und Sprachandeutungen, dass es eigentlich in jeder Version anders sein muss… ich wäre zu gern mal kurz Japaner, um das Original zu spielen um zu vergleichen. Die Übersetzung ist voller Humor und Liebe, genau wie das Spiel eben.

Der Magische Begleiter ist eine tolle Idee und sehr, sehr aufwendig umgesetzt. Leider kommt er dann für meinen Geschmack im Spiel zu kurz. Man hätte ihn ruhig bei mehr Rätseln einbinden können.

Vom Schwierigkeitsgrad her konnte mich Ni no Kuni schon mal kurzzeitig aus den Träumen reißen. Gerade zu Beginn hatte ich doch schon einige Male den Game-Over-Bildschirm gesehen (auf Schwierigkeitsgrad “Normal” – “Schwer” gibt es nicht).

Alles in Allem war Ni no Kuni eines der rundum besten und schönsten Spiele, die ich in den letzten Jahren gespielt habe. Ich will es auch gar nicht mit irgendwelchen uralten JRPG-Klassikern vergleichen. Ni no Kuni ist ein Meisterwerk und man sollte es gespielt haben – Punkt. 40 Stunden habe ich für einen Durchlauf benötigt. Dabei habe ich, anders als sonst, sehr viele Nebenquests erledigt. Das Spiel hat wohl auch noch allerhand Post-Game-Content zu bieten, aber da war ich dann schon beim nächsten Spiel…

“Story of Two Worlds”-Trailer von Bandai Namco (2013)