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Heavy Rain

By Tony, 16. Januar 2015

Gestern habe ich Heavy Rain beendet. Ich will es gleich vorweg nehmen: Ich könnte mir nicht vorstellen, ein solches Spiel zu spielen, wenn es auch nur einen Tick unspannender wäre. Aber es war spannend genug und ein interessanter Einblick in dieses gar nicht so neue Genre, das nach Heavy Rain aber sicherlich bekannter denn je ist.

Der nachfolgende Text enthält diverse Spoiler. Ich würde empfehlen ihn nur zu lesen, wenn ihr Heavy Rain beendet habt. Ich will “frei Schnauze” darüber schreiben. Respekt an alle Reviewer, die Heavy Rain gut erklären konnten, ohne zu viel zu verraten!

Heavy Rain ist ein “interaktiver Film” und bedient sich beim Adventure. Ethan hat seinen Sohn durch einen tragischen Unfall verloren und daran ist in der Folge auch seine Ehe zerbrochen. Er ist ziemlich scheiße dran, wenn man das mal so sagen darf. Und nun wird auch noch sein zweiter Sohn vom Origami Killer entführt. Aufgabe ist es, Prüfungen zu überstehen, die uns der Origami Killer stellt, und so Shawn zu retten. Gleichzeitig machen sich auch die Journalistin Madison, der FBI-Agent Jayden und Privatdetektiv Scott Shelby auf die Suche nach dem Jungen.

Das Spannende ist, dass man mit allen Charakteren Shawn retten kann. Das ist mir übrigens erst erfrischend spät klar geworden – ich habe nie etwas zu Heavy Rain gelesen vorher. Mit wem und ob man Shawn überhaupt rettet, das legt der Spieler fest. Und zwar indem er die richtigen Entscheidungen trifft, Prüfungen besteht oder die wichtigen Beweise findet. Heavy Rain macht da den Anschein, als wäre es in alle Richtungen völlig offen. Aber eigentlich bewegt es sich in ziemlich engen Bahnen. Muss es auch, sonst wäre das Ganze ja gar nicht zu beherrschen. Es gibt natürlich diverse Spielszenen, die man nur erlebt, wenn man Bedingungen im Vorlauf erfüllt hat. Aber im Wesentlichen läuft alles schnurstracks auf das Finale hinaus.

Emotionaler Höhepunkt sind natürlich die Prüfungen mit Ethan. Sie haben mich vor moralische Entscheidungen gestellt, vor denen ich niemals stehen will und die ich, sollte ich jemals dort stehen, hoffe, nie falsch zu entscheiden. Zum Glück ist alles nur ein Spiel. Ist es richtig, Dutzende Menschenleben zu gefährden und als Geisterfahrer über die Autobahn zu fahren, um ein Menschenleben zu retten? Ethan wird es tun müssen, wenn er Shawn retten will. Am Anfang sind mir solche Entscheidungen noch echt schwer gefallen, im Spielverlauf wurde man dann etwas abgestumpfter.

Trotzdem ist es immer ein mulmiges Gefühl, moralisch falsche Dinge zu tun. Ich habe zum Beispiel aus Versehen den radikalen Christen erschossen, nachdem ich Blake versucht hatte davon abzuhalten, eben das zu tun. Genial geskriptet von Quantic Dream. Da ist mir echt der Finger ausgerutscht. Leider gab es dafür direkt eine Trophäe. Das nahm mir gleich das Gefühl, etwas Falsches getan zu haben.

Großes Ärgernis ist außerdem die Steuerung. Ich habe darüber nachgedacht, warum es unbedingt notwendig sein soll, R2 gedrückt zu halten, während man mit dem linken Analogstick läuft. Das war so nervig. Ich habe nachgelesen und verstanden, was man damit bezweckt. Aber ich bin überzeugt, dass es auch anders zu lösen gewesen wäre. Ich bin am Anfang ständig über’s Ziel hinausgeschossen, weil ich zwar den Analogstick losgelassen habe, aber nicht R2. Wenn es dann in den engen Räumen noch einen unangekündigten Kameraperspektivwechsel gibt, ist das Chaos perfekt.

Außerdem fand ich den Soundtrack ein wenig eintönig. Gefühlt gibt’s nur eine Handvoll Stücke. Die passen zwar echt gut zu den Szenen und sind super vom Orchester eingespielt, aber ich habe einfach ständig dasselbe gehört. Auch sind die Rätsel manchmal albern.

Aber das macht am Ende alles nichts. Die Geschichte ist fesselnd, die Charaktere symphatisch. Und Quick-Time-Events sind halt nicht gleich Quick-Time-Events. Quick-Time-Events sind genau das, was zu Heavy Rain passt. Da wirkt weder etwas aufgesetzt, noch unrealistisch oder unpassend. Heavy Rain ist von vorne bis hinten super atmosphärisch.

Das Heavy Rain kein “echtes Spiel” ist, kann man so nicht sagen. Es ist halt ein anderes Spiel. Ja… vielleicht nicht nur ein anderes Genre, wirklich eine andere Art von Spiel. Es ist nämlich eben nicht so, dass man einen Film guckt und dazu Tasten drückt, die auf dem Bildschirm aufploppen. Man beeinflusst die Geschichte direkt – und sogar deren Ausgang. Wenn es euch interessiert: Ich habe im ersten Durchlauf (etwa 8 bis 10 Stunden) alle vier Charaktere in die letzte Lagerhalle gebracht und Shawn gerettet!

Alles in Allem eine Spielerfahrung, die man gemacht haben sollte.